Leserbrief zu Ihrem Telefoninterview-Artikel mit Umweltministerin Svenja Schulze mit dem Titel

 

„Der Klimawandel geht nicht weg“ vom 02.04.2020

 

 

 

Die Braunschweiger Zeitung hält mit ihren Fragen an die Bundesumweltministerin zutreffend den Finger in Wunden der Corona-Pandemie und stellt im Interview auch den sehr wichtigen Bezug zur Klima- und Artenschutzkrise her. Diese existentiellen Herausforderungen müssen nach Einschätzung des NABU tatsächlich gekoppelt beantwortet werden. Wissenschaftler*innen und Behörden weisen schon seit vielen Jahren mit Nachdruck darauf hin, dass Krankheitserreger, die die Tier-Mensch-Schranke durchbrechen, ein Risiko für Pandemien sind. Ausgangspunkte dafür kann der unkontrollierte Handel von lebenden Wildtieren zum Verzehr auf entsprechenden Märkten sein, diese sind in China deshalb derzeit (!) untersagt. In diesem Zusammenhang ist zusätzlich der Verlust von ökologisch bedeutsamen Lebensräumen samt katastrophalem Artenschwund anzuprangern, wie beispielsweise die Rodung tropischen Regenwaldes zur Gewinnung von Futtermitteln für die Massentierhaltung hier bei uns. Wir tragen in Deutschland Mitverantwortung für eine Globalisierung, die in ihrer Ausprägung deutliche Mahnungen ausspricht. Dies betrifft eben nicht nur Lieferketten für existentiell wichtige Schutzkleidung für medizinisches und pflegerisches Personal jetzt in der Corona-Pandemie, sondern auch zum Beispiel die Verursachung von extremen Transportwegen samt CO²-Ausstoß. Letzteres ist dann verbunden mit einer Verschärfung der Klimakrise, die auch zu Hitzewellen im Sommer führt. Für das Jahr 2015 verzeichnet der Monitoringbericht 2019 des Umweltbundesamtes auf Seite 34 allein 6000 (!) zusätzliche Todesfälle in Deutschland aufgrund der Hitze. Bedenken wir, dass auch das Dengue-Fieber oder die Malaria im Schlepptau steigender Temperaturen zur gesundheitlichen Herausforderung bei uns werden könnten, dann dürfte klar sein, dass entschiedenes Handeln längst nötig ist. Der NABU fordert ein Handeln, dass doppelt hinschaut, nämlich auf die Corona-Pandemie UND die Klima- und Artenschutzkrise. Ein Handeln, dass doppelt wirkt, also bei uns beginnt UND eine internationale Dimension hat. Den Stimmen von Experten, seien es Virologen, Ökologen oder Klimaforscher sollten wir verstärkt Gehör verschaffen. Zielkonflikte mit zum Beispiel sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten müssen verantwortlich und demokratisch angegangen werden. Es ist zu hoffen, dass alle Verantwortlichen auch im Umfeld der Finanzdebatte diesen Kompass nutzen.

 

 

 

Petra Wassmann, Salzgitter

 

NABU Vizepräsidentin